Doktor Digital: Telemedizin als Lösung gegen den drohenden Ärztemangel?

Veröffentlicht am 24.01.2018 in Gesundheit

Am gestrigen Abend diskutierten wir im Reichenbacher Neuberinhaus über den Ärztemangel in unserer Region. Dabei nahmen wir die Telemedizin, die ein Mittel darstellt, durch welches dem Mangel an ärztlichem Personal in unserer Region begegnet werden kann, unter die Lupe.

Auf dem Podium nahmen Simone Lang (SPD), Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokrat*innen im Gesundheitswesen (ASG Sachsen),Dr. Fabian Magerl, Landesgeschäftsführer der BARMER Krankenkasse Sachsen, Dr. Uwe Drechsel, Beigeordneter des Vogtlandkreises und Stellvertreter des Landrates, und Dr. med. Jens Volkmar, Vorstandsmitglied des Ärztenetzes Vogtland e. G., Platz. Unsere vogtländische Landtagsabgeordnete Juliane Pfeil moderierte den Abend.

Im Vogtland wird der Digitalisierungsprozess durch das vom Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz geförderte Programm „Telematikunterstützung für die Impulsregion Vogtland 2020“ vorangetrieben. Ziel ist die Erprobung eines neuen Modells zur Sicherstellung der Patientenversorgung im ländlichen Raum. Hierfür werden im Vogtland zwei Servicezentren errichtet. In diesen werden die Patienten von einem Arzt behandelt, der per Video zugeschaltet wird. Die Diskussion über dieses Programm stand im Zentrum der Veranstaltung.

Wir kamen darin überein, dass die Sprechstunde beim digitalen Arzt nur eine Ergänzung, aber keinenfalls einen Ersatz für den klassischen Arztbesuch darstellen kann. Die vogtländischen Hausärztinnen und Hausärzte könnten dadurch langfristig entlastet werden und durch die Zeitersparniss mehr Patienten betreuen. Kurzfristig bringt die Investition und Einarbeitung in neue Herausforderungen mit sich. So müssten Arztpraxen die Einführung des Systems zusätzlich zu ihrer regulären Arbeit vollbringen, was einen erheblichen Mehraufwand bedeutet. Ein Teilnehmer befürchtete auch die fehlende Akzeptanz bei Medizinern, die kurz vor der Rente stehen. die dafür erforderliche technische Infrastruktur unterliegt zudem Innovationszyklen von drei bis fünf Jahren, dann müsste die Technik gegebenenfalls erneuert werden. Auf Patientenseite stellen sich diese Neuerungen je nach Erfahrung ebenfalls als Hürde dar. Mehr Ärztinnen und Ärzte für das Vogtland zu gewinnen, das muss weiterhin oberste Priorität bleiben. Dafür gilt es demografiebedingte Barrieren abzubauen und die Attraktivität des ländlichen Raumes weiter zu erhöhen.