Besprechung des Bundesparteitages im OV Elstertal (FP 24.1.2018)

Veröffentlicht am 24.01.2018 in Ortsverein

"Es rappelt an der SPD-Basis

Bodenkontakt zwischen Bauernfrühstück und Bier: Sachsens Delegierter Benjamin Zabel besucht nach dem Sonderparteitag den Ortsverein Elstertal. Am Ende herrscht Klarheit - zumindest ein wenig.

Von Elsa Middeke
erschienen am 24.01.2018

Noßwitz. Die Groko sitzt mit am langen Holztisch im Gasthaus Noßwitz. Auch wenn alle Stühle belegt sind. 13 Mitglieder des Ortsvereins Elstertal schauen über Gläser mit Bier, Wasser, Apfelsaftschorle hinweg auf Benjamin Zabel, Vize der SPD-Kreistagsfraktion und frisch aus Bonn zurückgekehrt. Er ist das jüngste Gesicht am Tisch, Vereinsvorsitzende Gudrun Militzer ist die einzige Frau. Vor ihr steht eine SPD-Fahne mit ein paar Flecken drauf.

Hauptthema des Montagabends: das knappe Ja beim SPD-Bundesparteitag zu Koalitionsverhandlungen mit der CDU. Am Ende dieser Gespräche steht der Entscheid von 443.000 Parteimitgliedern, wie Zabel über Besteckklappern und Stimmen aus dem Gastraum hinweg betont. Er selbst hat Sonntag mit Nein gestimmt. Die Ersten am Tisch bekommen Bauernfrühstück serviert. Und Toast Hawaii. Zabel hält das Sondierungspapier hoch. "Es enthält auch einige gute Sachen", sagt er."

"Tür auf, noch mehr Teller und Stimmengewirr rein, Tür zu. "Wenn wir soziale Verbesserungen etablieren können, tut es dem Land gut", sagt Zabel. An Neuwahlen glaubt er nicht. Daran, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) eine andere Option als eine Groko hat, auch nicht. Dagegen sieht er jetzt die Chance, allen zu zeigen, wie ernst die SPD die Situation nimmt. Dass sie aus Fehlern lernt. Wieder Glaubwürdigkeit und Vertrauen gewinnt, wenn sie konkrete Themen festklopft. Auch wenn es Sonntag viel Kritik von Jusos gab. Einer am Tisch kontert: "Wir mögen Rentner sein, aber gemeinsam sind auch Rentner stark." Ein anderer findet das knappe Ja aus Bonn gut: Merkel wisse nun, dass sie sich um die SPD bemühen muss. Aber was im Sondierungspapier stehe, das reiche bei Weitem nicht aus. "Weiter so - das wird nix", spielt ein Dritter auf die CDU an. "Wir haben es in der Hand." Zustimmung erntet das Argument, dass die SPD als stärkste Opposition die AfD im Zaum halten könnte - und auch einiges bewegen, ohne in einer großen Koalition weiter "der Dumme" zu sein. "Eine Minderheitsregierung wäre durchaus was", wirft Zabel ein. Sonntag hätten auch viele aus der Kommunalpolitik Nein gesagt. Das sei eine ganz andere Lebenswelt, findet Zabel. Die fließe in den Mitgliederentscheid ein. Leer gegessene Teller werden abgeräumt.

Eine Probeabstimmung findet am Tisch nicht statt. Klar ist dagegen, was sich für die SPD ändern soll: an sich arbeiten, konkrete Themen vorlegen, sich besser verkaufen. Die große Mitgliederbefragung begrüßen alle sehr. Man solle aber beide Varianten durchdenken, sagt Zabel: Groko und Neuwahlen. Ein "Weiter so" sei eine "Katastrophe". Dann bekommt auch er ein Bauernfrühstück.

Am 30. Januar ist Benjamin Zabel bei der SPD Reichenbach zu Besuch. Im Februar sind Termine in Plauen und im Göltzschtal geplant." Quelle: Freie Presse